Vorwort von Burhard Martens

Als ich vor vielen Jahren mit dem Gleitschirmfliegen anfing, war ich sofort völlig begeistert. Das erste Mal für einen Meter abgehoben, da wusste ich „Das ist es!“. Die nächsten Jahre flog ich soviel wie man es als angestellter Ingenieur nur schaffen kann. Das war für meinen Geschmack viel zu wenig. Meine Vorbilder waren meine Clubkollegen, die schon verdammt viel Erfahrung hatten, sie flogen schließlich schon zwei Jahre länger.

Um besser zu werden las ich alles was mit Fliegen zu tun hatte, alle Gleitschirmmagazine und Bücher. „Das Thermikhandbuch“ von Manfred Kreipl wurde zu meinem ständigen Begleiter. Es war sehr gut - aber schwierig zu lesen, besaß keine Bilder und nur wenig Skizzen. Viele Passagen musste ich mehrfach lesen um das meiste zu verstehen - sehr mühsam. Dann waren da noch die Lehrbücher um für den Flugschein zu lernen. Die waren schon viel anschaulicher geschrieben. Für mich war das Interessanteste in den Büchern die Inhalte, die sich mit dem praktischen Fliegen beschäftigten. Thermik, Wetterkunde, Abreißkanten, Zentrieren, Talwind - alles total spannend. Luftrecht, Navigation, Aerodynamik, Flugmechanik, und Gerätekunde waren für das Allgemeinverständnis und die Prüfung natürlich auch wichtig, zum wirklichen Fliegen interessierte es mich nicht so sehr.

Ich habe mit diesem Buch ein umfassendes Werk, zu allen Dingen die mich am Anfang besonders interessiert haben geschrieben. Ich weiß, dass es vielen meiner ehemaligen Schüler ähnlich erging wie mir. Auf die Frage nach weiterführender Literatur, über die Lehrbücher hinaus, bot ich meistens Bücher über Wetterkunde an. Hätte es dieses Buch gegeben, ich glaube ich hätte es fast jedem Schüler verkaufen können. Darüber hinaus enthält es so viele Tipps und Tricks, dass selbst alte Hasen einiges dazulernen können.

Das, was mich am meisten beim Fliegen begeistert ist der spielerische Umgang mit der Natur. Jeder hat in seiner fliegerischen Ausbildung gelernt, wo, wann und warum warme Luft aufsteigt. Diese Thermik zu finden, zu zentrieren und bis an die Basis aufzusteigen ist beeindruckend. Dann die nächste Abreißkante auf seinem Flug anzupeilen, anzukommen und es geht tatsächlich wieder nach oben, ist schon der Wahnsinn.

Dieses Übereinstimmen der Theorie mit der Praxis, ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Wenn ich eine bestimmte Stelle am Berg anfliege, und es geht hoch, so freue ich mich jedes Mal aufs Neue. Es verdeutlicht schließlich, dass ich immer besser lerne, die Natur zu verstehen. Der andere Aspekt ist das Naturerlebnis welches man während eines Fluges sammelt.

Sei es das gemeinsame Kreisen mit Adlern, das Erkennen äsender Gämsen tief unter sich oder die großartige Fernsicht aus großen Höhen. Von den Dolomiten aus kann ich den Alpenhauptkamm sehen, eine schneebedeckte, fast geschlossene Bergkette, wirklich extrem beeindruckend.

Im Buch beziehe ich mich meistens aufs Gleitschirmfliegen, aber bis auf einige Besonderheiten, kann natürlich alles aufs Drachenfliegen übertragen werden. Bei Beschreibungen von Landschaftlichen Besonderheiten, Talwinde, Thermikstärke im Tagesverlauf und ähnlichem, beziehe ich mich auf die gesamten Alpen, von Frankreich bis Slowenien. Wenn ich das Flachland meine, wird das immer deutlich herausgestellt.

Eine kurze Anmerkung noch zur Schreibweise: Wenn ich das Wort „der Pilot“ oder „der Flieger“ oder so ähnlich benutze, sind selbstverständlich auch alle Pilotinnen gemeint. Ich denke, dass es sich so einfacher liest.

Wer erst gut Thermikfliegen kann, der wird auch bald ein guter Streckenflieger. Ich wünsche allen Piloten und Pilotinnen viele schöne, erlebnisreiche und unfallfreie Flüge.

Burkhard Martens

 



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